Metamorphosen der Liebe – Le sacre du printemps

Ballett

Schon die alten Griechen kannten die Vielfalt der Liebe: so etwa die selbstlose (Agape), die  leidenschaftliche (Eros) oder die gegenseitige (Philia). Seit der Antike sind die verschiedenen Gesichter der Liebe das bestimmende Thema unserer abendländischen Zivilisation – fast ist man versucht auszurufen: Der Worte darüber sind genug gewechselt, lasst uns lieber tanzen!

Was die Choreographien von Mia Facchinelli und Juraj Šiška zur Musik von Detlef Kobjela als modernes Tanztheater in den „Metamorphosen der Liebe“ vorstellen, ist mehr als eine getanzte Umsetzung von Musik. Hier erleben die Besucher ein urpersönliches Statement zu den Veränderungen von Beziehungen in der Liebe. Geheimnis und Rätsel, Glück und Verzweiflung, Vereinigung und Trennung sind als physisches Ereignis erlebbar.

Vom Solo- über Paar- bis hin zum Gruppentanz reichen die bewegten Bilder-Reigen der Liebe. Mann-Frau, die kaum weniger klassische Dreiecksbeziehung, aber auch das homoerotische Moment entfalten ihre fast körperlich spürbare Wirkung. Ekstase wechselt ab mit Ruhe, Beschleunigung mit fast quälender Verlangsamung. Die Zeit steht still, um im nächsten Moment rasend schnell Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einer choreographischen Gleichzeitigkeit zusammen zu führen.

Im zweiten Teil dieses furiosen Ballettabends traut sich die Choreographin an einen Klassiker der Moderne heran, der vor hundert Jahren Bühnengeschichte geschrieben hat. Als am Abend des 29. Mai 1913 im Pariser Théâtre du Châtelet die erste Aufführung des Balletts „Le sacre du printemps“ endete, brach im Saal ein Chaos aus. Das Geschehen, das dem „Sacre“ zugrunde liegt, kann man mit wenigen Worten umreißen: Nach einem altslawischen heidnischen Ritus wird aus dem Kreis der jungen Mädchen eines ausgewählt, das sich in einem ekstatischen, zu tödlicher Erschöpfung führenden Tanz mit dem Sonnengott Jarilo vereinigt, um die Fruchtbarkeit der Erde zu sichern.

In der Choreographie von Mia Facchinelli steht das dargestellte Ritual für das Opfern moralischer und ethischer Werte einer „zivilisierten“ Menschheit. Es übt Kritik an einer Gesellschaft, die unfähig scheint, Mittel gegen ethnische Barbarei und religiöse Auseinandersetzungen zu finden. Und es bedeutet nicht zuletzt auch eine eindringliche Warnung, den Niedergang der sorbischen Kultur nicht als unabwendbar hinzunehmen.

Musik: Detlef Kobjela (erster Teil) und Igor Strawinsky (zweiter Teil)
Choreographie: Mia Facchinelli und Juraj Šiška
Bühne und Kostüme: Marlit Mosler a.G.
Mitwirkende: Ballett
Dauer: ca. 85 Minuten zzgl. Pause

 

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